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nzz.chIch erhielt einen Anruf von einer unterdrückten Nummer auf dem Mobiltelefon. Der Mann am anderen Ende der Leitung, der Englisch mit schwerem polnischem Akzent redete, stellte sich als Jakub Szczęsny vor und sagte, er sei ein polnischer Architekt. «Eines Tages», erklärte er, «bin ich an der Chłodnastrasse vorbeigekommen und habe einen schmalen Leerraum zwischen zwei Häusern gesehen. Und diese Lücke hat mir gesagt, dass ich Ihnen ein Haus bauen muss.»
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nzz.chTonic – ein paar Verschrobene trinken das bittere, klare Wässerchen pur, doch die meisten mischen es mit Gin oder Wodka, wobei dem Alkohol oft die wichtigere Rolle zukommt. Wer einen Gin Tonic bestellt, wird gefragt, ob es ein Tanqueray, Bombay Sapphire oder gar ein Monkey 47 sein darf – doch welches Tonic gewünscht ist, ist kaum je Gegenstand der Abklärung.
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Kerngesund?!
nzz.chDemnach verfügt das Deutsche heute über rund 5,3 Millionen lexikalische Einheiten und damit um etwa ein Drittel mehr Wörter als noch vor hundert Jahren. An «allen Kultursprachen», so Klein, könne man über die Jahrhunderte hinweg eine doppelte, in sich gegenläufige Bewegung verfolgen: Während die Grammatik immer einfacher werde, Formen einbüsse, werde die Lexik immer reicher. Dies sei nun allerdings unter dem Strich ein Gewinn. Denn was sich mittels einer Sprache ausdrücken lasse, urteilte Klein, hänge weit mehr am Wortschatz als an der Grammatik.
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Ein Leben nach dem Papier
nzz.chDie Kritik als Massenware verwässert das Urteil, verwischt die Argumentation, Unabhängigkeit geht verloren, auch die Fähigkeit des nüchternen Einordnens in Traditionslinien, kurz: Wo sie zur Dienstleistung verkommt, wird die Kritik zur Komplizin des Betriebs. Von da her droht Gefahr. Und sie droht gleich doppelt: Denn der eigentliche Wandel der Medien hat gerade erst begonnen, und seine Folgen sind noch nicht vollends absehbar. Er heisst nicht Schrumpfung, sondern Digitalisierung.
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Zweimal Winesburg, Ohio
nzz.chDiese Natur überwältigt die Winesburger in ihren «abenteuer lichen» Augenblicken, so wie den Farmarbeiter Hal Winters, der im Leuchten der Abendsonne seinen zerschlissenen Kittel abwirft und über die Felder rast, oder Alice Hindman, die elf Jahre vergebens auf ihren Verlobten gewartet hat und, elementar berührt von einem Regenguss, nackt durch den Ort läuft, um sich dem ersten Besten in die Arme zu werfen – es wird nichts, es ist ein tauber Alter, wieder nur ein Missverständnis.
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Zerstreut und dennoch ein Volk
nzz.chIn blöden Zeiten entwerfen die Menschen vom jeweils anderen Hirngespinste, akzeptieren ruhmselige Selbstbildnisse und stellen nationale Abstraktion über das Personale. Für den Fall eines Siegs: Seid nicht vergnügt, denn auf der anderen Seite weinen Familien!
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Instant-Glück mit Instagram
nzz.chHeute hingegen besteht das Neue darin, dass man schnell entstandene Bilder auch schnell reproduzieren und an jeden Ort der Welt schicken kann. «Live» ist kein Privileg des Fernsehens mehr, vielmehr verfügt fast jeder Amateur inzwischen über die Möglichkeiten maximaler Bildmobilität. Damit aber verändert sich der Charakter vieler Bilder ein weiteres Mal.
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Die Muse des stillen Örtchens
nzz.chHaben unsere Gründerväter gelesen, während sie auf ihren Nachttöpfen sassen? – Ich bin in Serbien aufgewachsen, wo Plumpsklos auf dem Land noch häufig waren und Toilettenpapier von der einfacheren Bevölkerung als dekadenter Luxus angesehen wurde. Der Stapel alter Zeitungen auf dem Häuschen war nicht nur zweckdienlicher Ersatz für die Klorolle, sondern auch willkommener Lesestoff, der mir ebenso viel Weiterbildung wie Vergnügen verschaffte.
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Kann es das geben, Volksherrschaft?
nzz.chKeine Frage, man kann von der Betrachtung des alten Athen für heutige Demokratien nichts lernen – ausser dass die Übertragung des Begriffs «Demokratie» in die Moderne höchst problematisch und irreführend ist. Selbst in Schweizer Kantonen ist eine Herrschaft des Volkes, nimmt man das Wort konkret, allenfalls bruchstückhaft möglich. Sollte man, ohne das Wort zu kennen, das Funktionieren eines politischen Gemeinwesens im modernen Europa beschreiben, würde man wohl gar nicht erst darauf kommen, es zu bilden.
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