Mein letztes Buch
freitag.deEs ist mir egal, ob Sie mich für einen digitalen Jakobiner halten: Das ancien régime des Buchdrucks liegt nach einem halben Jahrtausend in den letzten Zügen. Natürlich wird es nie endgültig verschwinden. Es werden sich immer noch hier und da schöne Prachtexemplare von Büchern finden, alte Inkunabeln und bedeutende Zeugnisse der Druckerkunst werden überleben. Das Versailler Schloss steht schließlich auch noch. Aber regiert wird von dort aus schon lange nicht mehr. Die Verlage versuchen, sich auf den radikalen Wandel einzustellen; manche schneller, manche langsamer. Keine Idee scheint […]
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Wie genervt bist Du heute?
freitag.deP.S. Mir geht’s übrigens ganz gut, das Wetter könnte besser sein.
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Der Richterspruch des Schwarms
freitag.deNur das emotionale Urteil lässt sich in 140 Zeichen fassen, für eine sachliche Kritik reicht oft nicht einmal eine Kolumne. So wird das Bild der Übereinstimmung im Schwarm überhaupt erst konstruiert: Diejenigen, die sich einig sind, können das durch kurze Statements signalisieren, aber die die widersprechen wollen, lassen die Finger von der Tastatur. Mein verzweifeltes Kopfschütteln vor dem Bildschirm hat keiner bemerkt.
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Die Springer-Republik
freitag.deEinerseits, sagt Spahl, würden sich mittlerweile auch junge Leute für die Akademie bewerben, die das vor einigen Jahren kaum getan hätten, sondern eher zur taz gegangen wären. Andererseits hört man Geschichten wie die einer jungen Journalistin, die ihren zugesagten WG-Platz wieder verlor, als die neuen Mitbewohner erfuhren, dass sie bei Springer arbeite.
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Schießen Sie nicht auf den Pappkameraden
freitag.deDer Erste schreibt Blödsinn, der Zweite ab, und der Dritte überrascht mit zwei neuen, angeblich astreinen Belegen. Dieser journalistischen Logik verdanken wir den heutigen Zustand. Noch der größte Unfug, der über „PC“ kolportiert wurde, fand seinen Eingang in Lexika, Dissertationen, Zeitungsartikel und Klappentexte sonder Zahl.
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Zeitungskrise ja, aber wessen Zeitungskrise?
freitag.deDie gedruckte Zeitung als emotionales Produkt? In der Welt, in der ich lebe, ist die Aufregung weniger groß, wenn die Zeitung nicht kommt, als wenn das WLAN nicht funktioniert. Das Tageszeitungsabonnement hat in vielen Haushalten seinen selbstverständlichen Platz im Alltag verloren. Leser haben keine Zeitungskrise. Sie finden ihre Informationen und Analysen schon, sie stammen nur nicht immer aus der immergleichen Zeitung.
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Die Kinder der Krise
freitag.deAus dem Klammergriff können sich nur die Studenten selbst befreien – indem sie ihr Studium nicht zur bloßen Stufe auf der Karriereleiter degradieren. Trotz des Tunnelblicks, zu dem die Bachelor-/Master-Studiengänge verleiten, lassen sich immer noch genug Anreize für Anarchie finden. Man kann zum Beispiel vom Vernunft- zum Lieblingsfach wechseln. Oder ein Semester aussetzen, um zu kellnern. Oder sich an Gleise ketten. Es könnte sein, dass das mehr zur Persönlichkeit beiträgt als die hastige Zufuhr von neuen Credit Points.
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Album der Woche
freitag.deTheorie: Die Dritten Programme der ARD sind regional ausgerichtet. Praxis: Sie sind es nicht. Langsame Reportagen über den letzten Schmied von St. Engelberg gibt es, klar. Aber in weiten Teilen der Dritten werden Bilder von Leuten gezeigt, die ein Weinglas heben und auf undefinierbaren Wanderwegen gesamtdeutsches Volks-gut singen. Es gibt Ratgebersendungen zu Hämorrhoiden und Heilpflanzen, man unterhält sich über Blumen und über Jackeninnenfutter. Die Dritten sind weniger Regional- als Seniorensender. Und für ältere Leute muss es auch Programme geben, klar.
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„Intelligenz entsteht nicht im Kopf“
freitag.deSchauen Sie, ich bin ziemlich sicher, dass unsere menschliche Intelligenz nicht im Kopf entsteht, sondern zwischen uns. Wenn wir uns unterhalten, entsteht ein Gedanke, eine Neugier als Plattform zwischen uns. Auch bei einem Liebesverhältnis entsteht unmerklich etwas, das die Liebe sein wird.
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Bitte recht freundlich
freitag.deWenn ich diesen Text schreibe, dann lesen die das auch. Und sie nehmen einen Kommentar in die Akten, dass ich mich offenbar für Brandanschläge interessiere. Auch jetzt frage ich mich, ob es klug ist aufzuschreiben, dass ich mir darüber Gedanken mache, was die davon halten. Wäre es nicht besser und einfacher, über andere Themen zu schreiben? Es gibt ja genug. Ich verbiete mir, mich davon einschränken zu lassen, aber die Stimme ist da.
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Sie zerstören alles
freitag.deDiese Politik bremste alles, was innovativ, frei, alternativ und kritisch war. Sie ließ die alternative Theaterszene verbluten, die in den letzten drei Jahren keine Fördergelder bekommen hat. Wir schreiben das dritte Jahr, in dem keine Filme produziert werden, und das erste Jahr, in dem es keine ungarische Filmwoche gibt – was hätte auch gezeigt werden sollen?
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