Bis es kracht!
sz-magazin.sueddeutsche.deAls Taylor zehn war, hängte er ein Periodensystem der Elemente in seinem Zimmer auf. Nach einer Woche wusste er alle Kernladungszahlen, Massenzahlen und Schmelzpunkte auswendig. Zu einer Familienfeier erschien der Junge im Laborkittel mit einer Handvoll Chirurgenmesser und kündigte an, von allen Anwesenden Blutproben nehmen zu wollen.
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Lass uns ab jetzt Fremde bleiben
sz-magazin.sueddeutsche.deGute Freundschaften haben etwas eminent Nützliches. Sie sorgen dafür, dass man noch ein soziales Leben jenseits von Verpflichtungen hat. Man darf so bleiben, wie man ist, kann ein wenig auch über die gehaltvolleren Fragen des Lebens plaudern, und hinterher geht jeder allein nach Hause. Perfekt eigentlich.
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Der lange Abschied
sz-magazin.sueddeutsche.deAn einem warmen Sonntag im Mai 2010 steigt Andreas Läufer in einem Hinterhof in Berlin auf sein Mofa und fährt davon. Er überquert keine Grenze, er bleibt in Deutschland. Aber die Bundesrepublik lässt er hinter sich. Er verlässt sie über die Karl-Marx-Straße, im Kopf ein paar eigene Gedanken zu Staat und Kapital.
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»Ich bin erst mit Mitte 70 ein wirklicher Mensch geworden«
sz-magazin.sueddeutsche.deVermissen Sie ihn? Natürlich, ich habe eine riesige Sehnsucht nach Liebe, ich verliebe mich auch ständig. Als Ernst noch gelebt hat, hat er das aufgefangen. Heute kommt die Liebe ganz plötzlich, meistens über die Augen, über den Blick. Ich verliebe mich in Menschen und Tiere, ganz egal ob sie mich widerlieben. Das macht mir nichts aus. Ich will ja gar nichts von denen.
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»Ich hatte Sex auf dem Mond. Und ich bin der einzige Mann, der das von sich behaupten kann«
sz-magazin.sueddeutsche.deThad Roberts versprach seiner Freundin ein Stück vom Himmel. Also brach er bei der NASA ein und klaute Mondgestein im Wert von 20 Millionen Dollar. Die Geschichte einer galaktischen Liebe.
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Meikes Reisebüro: Addis Abeba
sz-magazin.sueddeutsche.deHattest Du je im Leben eine längere Zeit ganz für Dich allein, in der Du tun und lassen konntest, was Du wolltest? In der Du nicht das Gefühl hattest, funktionieren zu müssen? Ich sage Dir, es ist furchteinflößend. Es hat eine Weile gedauert, bis ich sozusagen freihändig laufen konnte – das Funktionierenmüssen ist ja nicht nur ein Gehege, sondern auch ein Geländer, an dem man sich entlanghangeln kann. Glaub mir: Freiheit ist erst mal eine Zumutung. Keiner von uns hat gelernt, wie das geht. Oder wir haben es verlernt. Vor vielen Jahren, mit sechs, bei der Überreichung unseres ersten[…]
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Pfoten weg
sz-magazin.sueddeutsche.dewie immer eine Frau sich verhielt, es konnte sie treffen. Man redete ihr zwar ein, dass Männer durch Signale provoziert würden, doch die Kriminalakten besagten etwas völlig anderes: Den Vergewaltigern konnte alles zum Signal werden. Wenn eine selbstbewusst war, traf es sie vielleicht, weil einer ihr das Selbstbewusstsein ein für alle Mal austreiben wollte; wenn eine schüchtern war, traf es sie, weil von ihr kein Widerstand zu erwarten war.
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Nummer Eins der Woche
sz-magazin.sueddeutsche.deDas bizarre Theater, das Deutsche in Zügen veranstalten, steht in krassem Gegensatz zu dem Sanftmut, den sie bei anderen Verkehrsmitteln walten lassen. Wenn die Landstraßen vereist sind oder am Frankfurter Flughafen wegen eines Schneesturmes 300 Flüge ausfallen, dann sagen die Leute: Pech gehabt mit dem Wetter. Wenn sie dann aber notgedrungen auf den Zug umsteigen und wegen desselben Schneesturmes 25 Minuten später als geplant in Berlin ankommen, dann schimpfen sie abends im Aufmacher des heute-journals über das Bahn-Chaos.
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Alex, mir stinkt's
sz-magazin.sueddeutsche.deBei ihm kann ich Bach, Slayer oder Tokio Hotel hören, mit meiner Freundin am Telefon streiten, auf verbotenen Internetseiten surfen oder vom Traumhintern aus dem sechsten Stock schwärmen, ohne gleich ein Sexist zu sein. Bei ihm kann ich gut oder schlecht gelaunt, ironisch, zickig, traurig, neunmalklug sein, er würde es nicht mal kommentieren. Wir würden uns nie eine Facebook-Nachricht schreiben, sondern immer ein Bier trinken gehen oder den Mund halten.
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Der Himmel der Bayern
sz-magazin.sueddeutsche.deEin fataler Fehler. Weil das Kind den Eindruck mit nach Hause nimmt: Wer »Danke« sagt, wird gelobt. Wer »Danke« sagt, wird süß gefunden. Wer »Danke« sagt, kriegt Wurst geschenkt. Ein Kind, das auf sich hält, wird das Wort »Danke« jetzt mehrfach täglich benutzen. Warum auch nicht, es klingt ja höflich. Und genau da liegt das Problem. Jeder bedankt sich, dauernd, für alles. Und sehr oft auch für nichts: Danke für Ihre Antwort. Danke für Ihre Bewerbung. Für die Zusammenarbeit, Ihr Interesse, Ihre Aufmerksamkeit
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»Wir sind zusammen allein«
sz-magazin.sueddeutsche.deMan zeigt einander seine Fotos, gut. Das ist gesellig, aber wenn man die Geselligkeit von Leuten danach bemisst, wie fleißig sie so etwas tun, vergisst man, dass es sehr viel wichtigere und wertvollere Aspekte von Geselligkeit gibt. Etwa die Fähigkeit, ruhig dazusitzen und jemandem geduldig zuzuhören.
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Ganz oben
sz-magazin.sueddeutsche.deGerade in den letzten zehn, 15 Jahren sind diese Zelte, ehedem von Familien und Alteingesessenen besucht, zum Schauplatz einer immer ausschweifenderen Feierkultur geworden. Wem es gelingt, den Riegel der Sicherheitskräfte zu überwinden, der taucht in eine singende, nach Bier und Brathendl riechende Menschenwoge ein, die beim Eintreten befremdet, nach der ersten Maß belustigt und im Lauf der zweiten mitreißt.
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